Bereitschaftspflege? – nicht nur ein Job sondern (m)eine Herzensangelegenheit

Unser Weg zur Bereitschaftspflegefamilie und allgemeine Informationen, welche Wege nötig sind, wenn auch Ihr euch vorstellen könnt, einem Kind für eine bestimmte und doch unbestimmte Zeit ein Zuhause geben möchtet.

Kleine Raupe

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Info

Bereitschaftspflegefamilie Kann ich das auch werden? Wenn ihr euch vorstellen könnt, Bereitschafts- oder auch Dauerpflegefamilie zu werden, gibt es verschiedene Möglichkeiten, die ich gerne versuchen werde, euch näher zu bringen. Im normalen Fall, wendet ihr euch an euer zuständiges Jugendamt und werdet zu einem allgemeinen Informationsgespräch eingeladen. Dort werden einige Grundliegende Dinge besprochen, die für das weitere Vorgehen sehr wichtig sein werden  wie ist eure aktuelle Familiensituation wie ist eure Einstellung zu Herkunftsfamilien wie ist eure wohnliche Situation seid ihr finanziell unabhängig habt ihr eventuell pädagogische Vorkenntnisse seid ihr bereit „öffentliche“ Familie zu werden Die Strukturen der Jugendämter sind sehr unterschiedlich. Es kann sein, dass die Betreuung der Pflegefamilien ausgelagert ist und zum Beispiel der Kinderschutzbund oder der SKF die Vorbereitung und die Betreuung der Familien vor, während und nach einer Belegung übernimmt. Doch egal wer diesen Zuständigkeitsbereich innehat, wird es Parallelen zu den Voraussetzungen geben; erweitertes polizeiliches Führungszeugnis Vorbereitungsseminare Lebensberichte und verschiedene Fragebögen Ärztliches Attest Hausbesuche Erste Hilfe Kurs am Kind Zusätzlich zu den Jugendämtern gibt es deutschlandweit auch viele freie Träger, die Bereitschafts- und Dauerpflegefamilien aber auch Erziehungsstellen suchen und fortbilden. Einige sehr informative Webseiten sind www.moses-online.de , www.pfad-bv.de , www.pan-ev.de oder nicht zu vergessen für behinderte Pflegekinder www.bbpflegekinder.de Natürlich versuche ich eure Fragen weiterhin auch ganz individuell zu beantworten und freue mich über euer Interesse. Vanessa

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Filius

Filius Filius` Einzug bei uns war geplant, ungeplant, wenn ihr versteht, was ich meine. Bereits im Oktober wurde ich angefragt, über den Winter 2015/2016 einen knapp einjährigen Jungen, für etwa vier-fünf Monate bei uns aufzunehmen. Bisher lebte er von seiner Geburt an, mit seiner Mutter in einer Mutter-Kind-Einrichtung. Um die weitere Perspektive für Mutter und Kind sollte ein stationärer Aufenthalt in einer therapeutischen Einrichtung als weitere Maßnahme folgen und eben für diesen Zeitraum wurde ein Bereitschaftspflegeplatz für den kleinen Filius gesucht. Da keine akute Zeitnot bestand weil erst die geeignete Klinik gefunden werden, und die Aufnahme dort terminlich geplant werden musste, fuhren wir erst in aller Ruhe in unser Miniparadies nach Zeeland um dort die Herbstferien zu verbringen und uns dort auf den Winter zu sechst vorzubereiten. Wenn es sich zeitlich planen lässt, nutzen wir die Zeiten vor einer Aufnahme immer ganz intensiv, genießen die Zeit mit unseren Kindern, denn man kann bei Bereitschaftspflege immer ganz sicher davon ausgehen, dass es mit sehr unruhigen Zeiten einher geht. Bis die Kinder ankommen, sich einleben, sich an den neuen, vielleicht sogar ersten, festen Lebensrhythmus gewöhnt haben, rütteln sie das bestehende Familienkonstrukt nicht selten mal ordentlich durcheinander. Gleich am Tag nach den Herbstferien fuhr ich mit der zuständigen Sozialarbeiterin in die Mutter-Kind-Einrichtung, in der Filius mit seiner Mutter lebte um die beiden kennenzulernen. Mir ist es wichtig, wenn es denn organisatorisch möglich ist, den Bereitschaftskindern zumindest ein Mindestmaß Vertrauen zu mir schenken zu können und bei einer geplanten Aufnahme, ist es einfach großartig, dass genug Zeit bleibt, sich ganz behutsam kennenzulernen. Was nicht bedeutet, dass man beim ersten Treffen nicht nervös ist … Die Gedanken sind eigentlich immer die Gleichen; was ist das wohl für ein kleines Menschenkind, was hat es wohl erlebt, wie sieht es aus, wie sind seine Eigenarten, wie wird es auf mich reagieren und wird es mir vertrauen? Mit Filius` Mutter war es vom ersten Moment an sehr unkompliziert. Sie hatte in dem einen Jahr gelernt ihren Tagesablauf als Mutter sinnvoll zu strukturieren und machte, laut ihrer Betreuerin sehr Vieles, richtig gut. Ich beobachtete während unserem ersten Gespräch eine entspannte Interaktion zwischen Mutter und Kind. Eine andere, als ich mit Kindern spielen würde weil sie mir als sehr grob, laut und übergriffig erschien aber für die beiden war es ihre Art miteinander zu spielen und beide schienen damit glücklich zu sein. Wir vereinbarten, dass ich bis zur Aufnahme, voraussichtlich Anfang Dezember, zwei Mal wöchentlich in die Einrichtung kommen würde um dort Zeit mit Filius zu verbringen und wir uns langsam kennenlernen konnten. Schon beim zweiten Termin konnte ich den gesamten Vormittag alleine mit Filius verbringen. Wickeln, Füttern, Spielen, Spazierengehen…all das war ohne Komplikationen möglich. Ein wohl typisches Phänomen der Bereitschaftskinder, sich blitzschnell auf neue Situationen einzustellen und sich anzupassen. So oft sind sie mehrere Bindungspersonen gewöhnt, dass es fast egal scheint, wer ihre Bedürfnisse erfüllt. – Hauptsache sie werden erfüllt. Ich kam gerade vom vierten Besuch mit Filius nach Hause, als ich schon von draußen das Telefon klingeln hörte. Das Jugendamt. Die Klinik, in die Filius` Mutter aufgenommen werden sollte, hatte kurzfristig früher einen Platz frei, ob ich ihn schon morgen in der Einrichtung abholen könnte. Zwei Wochen früher als eigentlich geplant war. Ich überlegte kurz! Übermorgen war der Geburtstag der großen Schwester, den wir mit Familie und Freunden geplant hatten und ihr Kindergeburtstag stand am Wochenende auch noch an…Ach was soll`s, auf ein Kind mehr oder weniger, kam es schließlich nicht an…dachte ich zumindest noch…und stimmte zu, ihn am nächsten Tag abzuholen. Die Übergabe war kurz und schmerzlos. Ich bekam sein U-Heft, Versichertenkarte und einen Bericht aus dem Mutter-Kind-Haus, eine Reisetasche und den Jungen quasi in den Arm gedrückt und stand fünfzehn Minuten später ein wenig verdattert an der Straße und versuchte irgendwie, vollbepackt, wie ich war, den Kofferraum aufzubekommen. Dabei muss ich sehr verzweifelt gewirkt haben, denn ein älterer Herr kam mir zur Hilfe und guckte mich ziemlich mitleidig an…bis heute glaube ich, er hielt mich für eine gerade verlassene Ehefrau/Mutter, die gerade mit Kind und Kegel vor die Türe gesetzt worden war. Egal, was er dachte, er half mir, das Gepäck einzuladen, während ich Filius im Kindersitz auf dem Rücksitz verstaute, bevor ich endlich losfahren konnte. Und dann ging auch schon das Theater los. Filius schrie und brüllte wie verrückt und was ich erst auf den Trennungsschmerz schob, stellte sich erst viel später als etwas ganz Anderes, völlig Unerwartetes heraus. Filius kannte kein Autofahren. Die Mutter-Kind- Einrichtung lag sehr zentral in einer großen Stadt und weil seine Mutter keinen Führerschein hatte und vor Ort alles Wichtige, fußläufig zu erreichen war, saß Filius gerade zum ersten Mal im Auto. Festgeschnallt. Was das für diesen kleinen Zwerg bedeutete höre ich heute noch in meinen Ohren klingeln, so verzweifelt war sein Weinen. Nun gut, für den Moment mussten wir da einfach durch. Zumindest bis zur nächsten Raststätte. Dort fuhr ich nämlich augenblicklich von der Autobahn, um den Kindersitz auf dem Beifahrersitz festzuschnallen damit er wenigstens nicht alleine hinten sitzen musste und ich das zarte Vertrauen, was während unserer Besuchszeiten aufgebaut worden war, nicht gleich wieder zerstören würde. Zu Hause angekommen, erwartete uns gleich die nächste Schreiattacke. Filius hatte panische Angst vor Hunden. Und auch wenn unser Hund kaum größer als eine Katze ist, liebt er Kinder und begrüßt sie immer sehr überschwänglich…Zuviel für Filius. Er schrie was das Zeug hielt, während ich Benji in sein Körbchen schickte. Das würde für die ersten Tage wohl das Schwierigste werden; Hund und Kind aneinander zu gewöhnen ohne dabei den Geburtstag der großen Schwester aus den Augen zu verlieren…das könnte ja noch etwas geben… Die ersten Tage waren rückblickend noch die, die am wenigsten anstrengend waren. Filius zeigte ein noch sehr angepasstes Verhalten, nahm seine Rolle als jüngster von vier Kindern an und gewöhnte sich auch sehr schnell an den Hund. Schon nach wenigen Tagen, lagen die beiden zusammen im Körbchen. Zumindest so lange, wie Filius freundlich mit Benji umging, denn nach und nach kamen deutlich andere Charakterzüge zum Vorschein, die das Zusammenleben äußerst schwierig bzw. anstrengend gestalten ließen.

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Elsa

Elsa Die kleine Elsa holte ich am 9.6.2016 nachmittags aus ihrem Kindergarten, angekündigt und vorbereitet, dennoch beeindruckt mich unsere erste Begegnung noch heute zutiefst. Am Vortag wurde uns die kleine Elsa angekündigt. Nur für ein paar Tage, war die Prognose und gleichzeitig unsere erste Belegung mit einem so „großen“ Kind. Elsa war schon drei Jahre alt aber aufgrund ihrer Beschreibung und die Kürze der Dauer des Verbleibs wollten wir es gerne mit Mogli und Elsa versuchen. Elsa wurde uns als neugieriges, offenes und absolut liebenswertes kleines Mädchen beschrieben, was sich durch ihr Schicksal nicht hatte brechen lassen. Ein Wunder, wie die Ärzte sagten, dass sie ohne bleibende Schäden nach wochenlangem Klinikaufenthalt wieder entlassen werden konnte. Äußerlich war nichts mehr von ihren traumatischen Erlebnissen zu sehen. Wie es jedoch in ihrer kleinen Seele ausgesehen haben muss, kann ich mir bis heute nicht vorstellen. Wie schafft ein so zartes Mäuschen es nach brutalsten Verletzungen, den Erwachsenen, nicht nur noch zu vertrauen, sondern auch mit voller Neugier und Lebensfreude durchs Leben zu gehen? – eine unvorstellbare Stärke, ihrem Schicksal zu trotzen. Anders ist es nicht zu erklären. Es war ca. 15 Uhr als ich mit Mogli im Gepäck, das Auto vor Elsas Kita abstellte um sie voraussichtlich für 4-6 Tage mit zu uns zu nehmen. Die allseits präsenten Fragen, wenn es um die Aufnahme eines neuen Kindes geht, zum X. en mal durchgespielt und doch keine Antwort bekommen, stand ich nun mit Mogli an der Hand auf dem Hof und schaute ca. 30 Kindern beim Spielen zu. Ich hatte Elsa vorher nur einmal ganz kurz gesehen und wandte mich an eine der Erzieherinnen, die mir schon entgegen geschlendert kam. Ich stellte mich kurz vor und wies mich, mit meiner Vollmacht aus, vom Jugendamt berechtigt zu sein, Elsa abzuholen, da sprang mir auch schon ein kleiner Blondschopf in die Arme und freute sich, endlich abgeholt zu werden. Ich war sehr erleichtert, dass Elsa uns gegenüber so offen agierte. Ich hatte mich mental schon auf viel Überreden eingestellt und Mogli unter anderem mitgenommen um ihr ein wenig Sicherheit zu signalisieren. Kinder untereinander verstehen sich ja oft ohne große Worte und hätte Mogli, die kleine Elsa zum Spielen eingeladen, wäre es sicher einfacher gewesen. So jedoch war es mir noch viel lieber. Eine kleine Elsa, die sich freute für ein paar Tage eine „Ersatz-Mama“ und Ersatz-Geschwister zu bekommen. So nannte sie mich tatsächlich; Ersatz-Mama. Mit der Erzieherin sprach ich kurz durch, wann und für wie lange ich Elsa am nächsten Tag bringen würde und anschließend stiefelte ich mit den beiden Mädels je an einer Hand zum Auto. Während ich Mogli in ihrem Kindersitz anschnallte überraschte Elsa mich zum ersten Mal, während ihres Aufenthalts bei uns. (obwohl wir noch nicht mal zu Hause angekommen waren) Völlig selbstständig kletterte sie unter großem Kraftaufwand in ihren Kindersitz und schnallte sich selbstständig an. Wohlgemerkt in einem Fünfpunkt-Gurtsystem und wir fahren einen Van, also ziemlich hohe Sitze für ein Kleinkind von noch nicht mal einem Meter Körpergröße. Ich war sehr beeindruckt und überlegte, ob sie diese Anstrengung wohl auf sich genommen haben könnte, weil sie nicht wollte, dass ich ihr körperlich so nah kommen würde, wenn ich das Anschnallen übernommen hätte, kam jedoch zu dem Schluss, dass das nicht mit ihrer Offenheit während unserer Begrüßung zusammen passte. Egal, klein Elsa war eben einfach motorisch und körperlich sehr weit, ließ ich es einfach so stehen, hatte jedoch diesen Gedanken im Kopf, dies ein wenig zu beobachten solange sie bei uns sein würde. Während der Fahrt unterhielten sich Mogli und Elsa darüber, dass sie nach der Ankunft zu Hause entweder Straßenkreide malen wollten oder aufs Trampolin im Garten gehen würden. Schon wurde die Diskussion ein wenig hitziger; keiner der beiden wollte nachgeben und ich versprach, dass wir für alles noch genügend Zeit haben würden, wenn wir nicht zu viel Zeit mit Streiten vergeuden würden. Zuhause angekommen zeigten wir klein Elsa zuerst das Bereitschaftskinderzimmer, in dem sie schlafen würde. „Alles klar“, kam wie aus der Pistole geschossen „Mama, bringst Du mich ins Bett?“ „Äh, ja natürlich Elsa. Wir lesen zusammen eine Geschichte und anschließend geht ihr schlafen, Du und Mogli“, antwortete ich ein wenig verdattert. Dass sie mich nach knapp einer halben Stunde mit Mama ansprechen würde, war mir nicht klar, war ich doch vor gut zwanzig Minuten noch die Ersatz-Mama. Nicht, dass mich das schockierte. Es ist kein Geheimnis, dass „unsere“ Kinder ein ziemlich gestörtes Bindungsverhalten zeigen aber bei einem dreijährigen Mädchen, was den Titel „Mama“ schon besetzt hatte, war ich mehr als erstaunt, dass der Prozess des Einnehmens dieser Rolle, weniger als eine Stunde gedauert hatte, sagte aber nichts. Wenn es Elsa damit gut ging, sollte sie mich ruhig Mama nennen. Der Nachmittag und der Abend vergingen wie im Flug. Mogli und Elsa spielten weitestgehend friedlich miteinander und konnten sich immer schnell einigen, wenn sie unterschiedliche Ideen hatten was bei Mogli keine Selbstverständlichkeit ist. Mit Kindern im gleichen Alter hat sie gerade in der Interaktion große Schwierigkeiten und braucht sehr viel Hilfe in der Regulation. Jedoch konnten wir schon häufiger beobachten, dass sie und auch andere Pflegekinder einen Instinkt füreinander besitzen und nicht selten viel besser miteinander harmonieren als mit „normalen“ Kindern. Der Umgang mit Elsa bestätigte diese Theorie mal wieder. Inzwischen war es Zeit fürs Abendessen und auch hier zeigte Elsa ein völlig unkompliziertes Verhalten. Sie aß gut gelaunt ihr Butterbrot mit Leberwurst, lachte wenn jemand etwas Lustiges sagte und hatte einfach Spaß daran bei uns zu sein. Von Scheu oder gar Angst absolut überhaupt gar keine Spur. Wenn ich daran denke, dass eins meiner Kinder, in Elsas Alter von einer fremden Frau aus der Kita abgeholt worden wären und nur drei Stunden später am Abendbrottisch zu dieser Frau „ Mama“ sagen und ganz einfach mit am Tisch sitzen würden, als wäre es niemals anders gewesen, wird mir noch heute schwindelig! Das allabendliche Bettfertig machen, von Mogli längst zum täglichen „Ich drehe nochmal richtig auf, laufe permanent weg und lasse mich nicht umziehen, geschweige denn waschen“ ritualisiert, konnte Elsa weder erschüttern noch beeindrucken. In null Komma nichts hatte sie sich ausgezogen, den Schlafanzug angezogen und ihre Zähne vorgeputzt. Bereitwillig ließ sie mich nachputzen und fiel mir als Dankeschön um den Hals und küsste mich auf die Wange. Ich beschloss Mogli noch ein wenig aufzulassen und sie erst ins Bett zu bringen, wenn Elsa eingeschlafen war um ihr ein wenig Zeit mit uns alleine einzuräumen. Ich las Elsa eine kurze Gutenachtgeschichte vor, legte sie ins Bett und staunte nicht schlecht, als sie sich völlig tiefenentspannt rumdrehte um friedlich einzuschlafen. Kein: Wo ist meine Mama? Wann gehe ich wieder nach Hause? Wie lange bleibe ich hier? Einfach nur; Gute Nacht! Ich schloss vorsichtig die Türe zum Bereitschaftszimmer, nahm Mogli fest in den Arm und weinte zwei bis fünf stille Tränen weil mich die kleine Elsa berührte, beeindruckte und mich zugleich tieftraurig stimmte.

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