Wenn sich Kinder von ihren Eltern „scheiden lassen“

geschrieben von Edith
Zunächst möchte ich mich auf das herzlichste, bei Dir, liebe Vanessa bedanken, das Du mir hier auf Deinem Blog, eine Stimme und Raum gibst.  Schön, daß wir zusammen gefunden haben, frei dem Motto :

Es gibt keine Zufälle, es fällt einem zu was fällig ist.

Wenn sich Kinder von ihren Eltern“scheiden“ lassen  =  Kontaktabbruch
Kontaktabbruch, ein Wort das so schwer wiegt, so schwer zu schreiben ist und dennoch mein Leben bestimmt. Jeden Tag !
Ich bin Edith Lange , wohne am Rand einer Großstadt und führe (wieder ) ein ruhiges beschauliches Leben mit meinem Mann.
Seit nunmehr 4 Jahren fährt mein Leben eine Achterbahn an Gefühlen;
Nach einem Streit mit meiner Tochter und ihrem Lebensgefährten , drohte sie uns an, unser Enkelkind nicht mehr sehen zu dürfen.

Das ist ein schlechter Scherz, das macht sie nicht.  Wir sind doch eine Einheit.

Unser Mausbär, so werde ich ihn hier nennen war jeden Tag bei uns. Es folgte eine sprach und hilflose Zeit..  Ich nahm Kontakt auf, zu Familienanlaufstellen Caritas u.ä.. Hoffentlich können die vermitteln! Kämpfend nahm ich jeden Termin wahr. Fern blieb leider meine Tochter.

Die Gemeinsamkeit, wie ich sie in all den Jahren mit meinem Kind lebte, nahm tagtäglich mehr ab.
Quälende Fragen taten sich auf.

Was habe ich falsch gemacht ? Was hätte ich anders sagen sollen ? Bin ich schuld ? Warum konnte eine dritte Person unsere Kommunikation so stören ? Welche Rolle spielt der Lebensgefährte?

Schweigen war ihr Machtinstrument. Und leider auch ihr Sohn.

Über all dem Grübeln, Streit und Machtspielchen geriet er immer mehr zwischen die Fronten.

Ist es jetzt besser die Reißleine zu ziehen, oder doch zu kämpfen ?

Ich entschied mich zunächst für einen Mediator. Er konnte aber überhaupt nichts ausrichten, weil die vollständige Ignoranz meines Mädchens auch ihn hilflos machte.

Meine Ohnmacht nahm zu. Ich war traumatisiert. Unser Mausbär, den ich mit entbunden hatte ,entfremdete sich zunehmend. Er wurde instrumentalisiert .

Wie handle ich richtig? Gebe ich auf?

Fragen die täglich meinen Alltag bestimmten.
Ein letzter käglicher Versuch, das Umgangsrecht zu bekommen , scheiterte. Ich hatte zwar, vom Jugendamt und Familiengericht, ja Gericht ( das zu schreiben drückt mir wieder soviel Tränen in die Augen ) den Beschluss ihn alle 14 Tage zu sehen,aber  auch das ließ sich schnell verhindern. Unser Mausbär lehnte uns ab. Erzählte, das was er zu Hause an Dingen über uns „aufschnappte “ so weiter; und das war nicht für Kinderohren geeignet .
Überhaupt, warum entscheidet ein Richter über die Umgangszeiten ( damasl meine Überlegung ) Das Kind ist doch hier zu Hause. wir sahen uns 365 Tage im Jahr. Fuhren gemeinsam in den Urlaub und lebten den Alltag einer “ normalen Familie „.

Was ist passiert ? Wieso konnte alles so sehr aus dem Ruder laufen ? Wieso nur alle 14 Tage ?

Ich weinte tagelang, bekam körperliche Schmerzen und wusste nicht , wie ich manche Tage überstehen sollte.

Heute 4 Jahre später, einem Reifeprozess den ich lieber nicht durchlaufen wäre, 2 Jahre Therapie und wieder im Leben angekommen , bin ich Mitglied in einer Selbsthilfegruppe für verlassenen Großeltern.  Ich habe gelernt, das Bindungsabruch nicht nur für die Erwachsenen Stress bedeutet. Für die Kinder , die mit diesem Verlust umgehnen müssen ist es Dauerstress. Wir alle haben einen Schicksalsschlag durchlebt, de mehr als nur eine schlaflose Nacht bedeutet.
Ich kämpfe immer noch. Heute nur  anders.
Ich weiß, das die Manipulation der Kinder sehr gut gelingt.
Deshalb ist es nur fair, die Kinder vorerst loszu lassen, denn diesen Rucksack können und dürfen sie nicht tragen. Viele Eltern, die so handeln und das kann ich immer , auch in unserer Selbsthilfegruppe beobachten, sehen nur ihre eigene Verletzung. Das sie darüber hinaus ,ihre Kinder entwurzeln, indem sie ihnen wertvolle Bezugspersonen nehmen, wird leider nicht reflektiert.
Heute nimmt unser Mausbär zaghafte Schritte vor ,um mich zu kontaktieren. Er ist 12 Jahre alt und hat mich bei Social Media gefunden. Seinen Großvater auch, denn auch hier kommen ab und an heimliche Nachrichten an.
Meinen Weg gehe ich unbeirrt weiter. Meiner Tochter mache ich keinerlei Vorwürfe mehr. Sie wird ihrem Sohn erklären müssen, weshalb sie so gehandelt hat. Vielleicht in ihrer Wahrheit, in ihrer Welt, mit ihren Worten. Das ist für mich völlig okay. Meine Tür ist nur angelehnt, niemals geschlossen .
So darf auch ich meinen Weg gehen, indem ich aufkläre, ein Buch schreibe und bereits in verschiedenen TV Sendern das Thema “ Verlassenen Großeltern“ ( mit meiner Selbsthilfegruppe ) zu sehen war.  Eine Zeitung nahm sich ebenfalls dieses schwierigen Problem“ s an.  Man darf nicht vergessen, es betrifft jährlich 150000 Kinder, die mit dem Kontaktabbruch zu Oma und Opa leben müssen.  Unser Engagement gilt diesen Mäusen, damit der Verlust nicht ein lebensübergreifendes Thema bleibt.
Aktuell wird am 03.07.2019 das MDR Fernsehen bei uns drehen um am 18.07.2019 diese , meine, unsere Geschichte (n) auszustrahlen.
 

Mein Wünsch ist es, das niemals mehr ein Kind auf seine geliebten Großeltern verzichten muss. Denn für die Kinder ist es,als wenn ein Flugzeug abgestürzt wäre.

Liebe Edith, ich Danke Dir sehr für diesen für Dich und viele andere, hochemotionalen Beitrag und hoffe sehr, dass sich die angelehnte Tür in naher Zukunft zaghaft öffnet und Du Euern Mausebär in die Arme schließen kannst ♥️


Ein Kommentar zu „Wenn sich Kinder von ihren Eltern „scheiden lassen“”

  1. SILKA HAHN sagt:

    Ich bin auch eine betroffene Oma und es zerreisst einem das Herz, wenn man mitbekommt, wieviele Grosseltern es betrifft und wieviele darunter ganz fürchterlich leiden und die Kinder, die den Kontaktabbruch hervorgerufen haben nicht die Courage aufbringen mit den Eltern zu reden was schief gelaufen ist , nur so kann man was verändern, und trotzdem müssen wir alle stark sein und die Hoffnung nicht aufgeben das Schlimme ist nur , das wir nicht wissen ,was den Kindern über die Grosseltern erzählt wird und sie vielleicht ein ganz anderes Bild von uns haben werden, wie wir eigentlich in Wirklichkeit sind, Appell an die jungen Eltern, redet mit uns, nur so kann man was verändern, LG Silka

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