Unser Weg zum Familienglück

Hallo,
erstmal was zu meiner Person.

Ich heiße Catrin, bin 36, verheiratet, Krankenschwester und Mama eines 3 jährigen Adoptivsohnes.
Gemeinsam mit meinem Mann, Kind und Hund, wohne ich in unserem Haus, in einem kleinen Ort in Hessen.
Im Jahre 2007 erkrankte ich an Gebärmutterhalskrebs, und aufgrund der daraus folgenden Total OP, war es uns nicht mehr möglich, eigene Kinder zu bekommen.

Es gab für uns nur die Option, den Weg auf’s Jugendamt!
Heute erzähle ich Euch unseren langen Weg, zum Familienglück!

2009 hatten wir unser erstes Gespräch auf dem Jugendamt.

Voller Vorfreude und total aufgeregt, machten wir uns auf den Weg dorthin. Aber nach dem Gespräch, waren wir erst mal völlig fertig, und voll mit Infos in unserem Kopf!

Wir bekamen gleich zu Anfang gesagt, das eine Chance auf eine Adoption sehr, sehr gering wäre!

Und es über eine Auslandsadoption bessere Chancen gäbe, ein Kind zu adoptieren. Aber das war schon rein aus finanzieller Sicht, keine Option für uns. Auch die Möglichkeit, Pflegeeltern zu werden, wurde uns ans Herz gelegt, denn Pflegeeltern werden dringend gesucht.

Aber auch das war erst mal nicht unsere Vorstellung. Heute denken wir da ganz anders drüber, und wer weiß, wo unser Weg uns noch hin führt. Wir bekamen einen Fragebogen mit nach Hause, den wir ausfüllen sollten. Da waren wir erst mal geschockt, was die da alles von einem wissen wollten, und was man da alles angeben mußte. Nachdem wir die Bögen ausgefüllt, zurück geschickt hatten, war es lange Zeit sehr, sehr ruhig!

Wir dachten schon, die melden sich wenn es soweit ist! Wir hatten dann auch ziemlich viel privates um die Ohren (Hausumbau/Anbau, Hochzeit etc.) so das die Gedanken über eigene Familie und Adoption, erst mal wieder völlig in den Hintergrund geraten sind.
Erst als Ende 2013 ein Brief vom JA bei uns ankam, waren wir total aus dem Häuschen! Sollte es jetzt soweit sein, und unser Traum von der eigenen kleinen Familie endlich wahr werden? Aber in dem Brief ging es lediglich um ein Treffen mit unserer zuständigen Mitarbeiterin vom JA, wo sie zu uns nach Hause kommen wollte, um den Sozialbericht über uns zu verfassen.

Wir waren total aufgeregt, wie würde das Treffen wohl ablaufen, was wollten Sie alles von uns wissen! Ich machte mich da schon völlig verrückt vorher, und konnte Nächte vorher nicht schlafen! Das Treffen lief super, und ich hatte mir vorher, viel zu viele Gedanken gemacht! Wir redeten fast 2 Stunden lang über uns und unsere Familien, gemütlich bei einer Tasse Kaffe, also alles richtig locker. Danach gingen wir noch eine runde durch unser Haus und Garten, und fertig war der Besuch. Nach diesem Gespräch waren wir dann wieder Feuer und Flamme! Jetzt konnten wir auch unsere Bewerbungsmappe anfangen zu schreiben, die wir dann Deutschland weit an sämtliche Jugendämter schickten, um uns auch dort als Adoptiveltern zu bewerben. Aber ruck zuck wurden aus der Hoffnung und Euphorie, bald vielleicht Eltern zu sein, Enttäuschung und Traurigkeit. Denn es kamen nur Absagen zurück, das wir nicht als Bewerber angenommen werden. Auch gefühlte tausend weitere Bewerbungen, oder Telefonate mit den verschiedensten Jugendämtern, brachte uns unserem Glück, kein Stück näher.

Im September 2015 beschlossen mein Mann und ich, das wir Ende des Jahres, sollten es bis dahin nicht geklappt haben, unserem JA Bescheid geben werden, das wir nicht mehr an einer Adoption interessiert wären!

Denn uns machte diese Warterrei fast wahnsinnig. Es zermürbte uns, wir konnten kaum noch was richtiges planen, immer hatten wir im Hinterkopf, was ist wenn das JA anruft! Ich bekam dann auch noch im September, auf der Arbeit, eine neue Stelle angeboten, wo es bedeutete, mehr zu arbeiten und noch mehr Verantwortung zu haben. Wäre das mit einem Kind möglich! Wir haben dann hin und her überlegt, nehme ich das Angebot an, oder nicht. Wenn nicht kommt die Chance vielleicht nie wieder, und jünger werde ich ja auch nicht! Es sprach alles dafür, das Angebot anzunehmen, denn wir glaubten wirklich nicht mehr daran, das es mit einer Adoption klappen würde, immerhin warteten wir schon 6 Jahre darauf. Für uns stand fest, das wir nur noch bis Ende des Jahres warten würden, und ich das Jobangebot schon mal annehmen werde.
Am 23. September wollte ich auf der Arbeit dann alles klären und besprechen, und das Angebot annehmen. Aber es war soviel zu tun, das wir keine zeit hatten um in Ruhe zu reden. Also beschlossen wir, das am nächsten Tag zu machen.

Als ich an diesem Mittag von der Frühschicht nach Hause kam, sah ich auf unserem Telefon, das die Nummer vom JA 5x versucht hatte uns zu erreichen. Erst dachte ich, Hm komisch, warum rufen die so oft an, aber dann fiel mir ein, das ich mich nach unserem Urlaub nicht auf dem JA gemeldet hatte. Wir hatten nämlich immer so alle 3-4 Monate Rücksprache gehalten, wie es läuft und was es neues gibt. Also versuchte ich zurück zu rufen, aber erreichte niemanden. Dann schnappte ich mir unserem Hund, und machte erst mal einen schönen Spaziergang. Als ich dann nach Hause kam, hatten wir schon wieder 4 Anrufe auf dem Telefon.

Das fand ich dann doch etwas seltsam, und während ich mir noch so Gedanken machte, was es dringendes geben könnte, klingelte erneut das Telefon. Ich ging ran, und unsere zuständige Mitarbeiterin vom JA sagte:

Schön das ich sie endlich erreiche, ich versuche schon seit heute Vormittag bei Ihnen anzurufen. Ich hab gute Nachrichten für Sie und Ihren Mann. Es gibt da einen kleinen Jungen, 8 Wochen alt, der wenn alles klappt, ab Montag bei Ihnen einziehen könnte, wenn sie noch Interesse haben!

Ich dachte ich träume, kann das wirklich wahr sein. Ich sagte mit Tränen erstickter Stimme einfach nur Ja! Ich konnte kaum sprechen, weil ich vor Freude so am weinen war. Nachdem ich mich etwas beruhigt hatte, und wir ein paar Sachen besprochen hatten, fragte ich noch und was soll ich jetzt tun? Ich kam mir plötzlich so hilflos vor, rasten doch 1000 Gedanken auf einmal durch meinen Kopf. Zur Antwort bekam ich zu hören, na rufen Sie Ihren Mann an, wir sehen uns morgen auf dem JA. Ich rief dann meinen Mann auf der Arbeit an, und konnte kaum sprechen vor Aufregung. Als ich Ihm alles erzählt hatte, war er auch total baff, und überglücklich!!!

Nachmittags machten wir uns dann erst mal Gedanken….was braucht ein 8 Wochen altes Kind??? Wir hatten nichts, keine Klamotten, Pampers, Kinderzimmer etc. und keine Ahnung von Babys. Wir hatten nur 5 Tage um alles zu organisieren. Erst mal bekamen unsere Arbeitsstellen Bescheid darüber, das wir plötzlich in Elternzeit gehen, wenn alles gut läuft. Dann sagten wir nur unseren Familien und engsten Freunden bescheid. Denn wir wollten nicht überall schon erzählen, was los ist. Zu groß wäre die Enttäuschung, wenn es nicht klappt, und dann aber alle am Montag nachfragen. Die Nachbarn haben sich aber schon etwas gewundert, warum bei uns im Garten auf einmal Babysachen auf der Leine zum trocknen hängen. Ganz große Unterstützung waren unsere Familien. Von unserem damaligen 4 jährigen Neffen, bekamen wir die Babyklamotten, Laufstall, Wippe und noch vieles mehr. Ein Kinderzimmer und alles was sonst noch fehlte wurde schnell gekauft.

Innerhalb von 2 Tagen verwandelten, mein Mann und ich, unser ehemals Büro, in ein einigermaßen schickes Kinderzimmer! Wir waren wie verzaubert, bauten wir uns hier ein schönes Familiennest, und es fühlte sich soooo unbeschreiblich gut an!!!

Sonntagabend bekam ich dann das erste Mal, kalte Füße. Ich hatte Angst, einfach nur vor dem was da auf uns zu kam. Konnte ich überhaupt eine gute Mutter sein?? Ich habe doch keine Ahnung, was man als Mama machen muß. Schaffen wir das wirklich ein fremdes Kind zu erziehen! Kann man es so lieben als wäre es das leibliche Kind?? Heute kann ich zu 1000% sagen Ja man kann, denn #liebekenntkeineDNA

Auch mein Mann grübelte etwas, aber wir haben lange an dem Abend zusammen gesessen, geredet und viel geweint vor Freude, denn morgen würde ein völlig neues Leben für uns beginnen! Und wir haben zusammen schon so viele Höhen und Tiefen gemeistert, da werden wir das auch schaffen!
Montag der 28. September Wir waren den ganzen Tag sooo aufgeregt, und ich weiß bis heute nicht wie wir diesen Tag bis zum Nachmittag überlebt haben! Es fehlte jetzt nur noch eine Unterschrift von der leiblichen Mutter, wenn sie diese Verzichtserklärung unterschreiben wird, dann würden wir heute Nachmittag als Familie nach Hause gehen, und unser Traum endlich wahr werden.

Nachmittags fuhren mein Mann und ich zum JA, dort erwartete uns schon unsere zuständige Mitarbeiterin vom JA, aber sie sagte erst mal kein Wort ob ja oder nein. Mir war schlecht vor Aufregung, ich wäre am liebsten wieder raus gerannt, ich hatte weiche Knie, war am zittern ich stand total unter Strom. In meinem Kopf schossen 1000 Gedanken umher, was ist wenn….ja….oder nein….

Mein Mann wirkte ganz ruhig, aber ihm ging es innerlich genauso wie mir!

Im Büro angekommen warteten wir noch auf eine Kollegin. Als die Kollegin endlich zu uns kam, und sich mit uns an den Tisch setzte sagte sie die 2 erlösenden Buchstaben, Ja , die leibliche Mutter hatte unterschrieben, und der Kleine Mann war auf dem Weg zu uns. Mein Mann und ich fielen uns heulend in die Arme und mir fielen Millionen Steine vom Herzen. Wir bekamen dann noch weitere Info’s wie es jetzt weitergehen würde etc. Und als es dann an der Tür klopfte, und die Pflegemama mit unserem Sonnenschein zur Tür rein kam, mußte wir wieder weinen!

Da lag er nun in seinem Kindersitz, und war total ruhig und sah so zufrieden aus. Ist das wirklich wahr, das er jetzt zu uns gehört?? Wir waren sofort in Ihn verliebt, es gibt nix schöneres, als den Moment wo du dein Kind zum ersten Mal siehst, da explodiert das Herz vor Liebe und Freude. Und alle Zweifel waren wie weg geblasen, denn es gab in dem Moment nur Ihn und uns beide wie wir eine Familie wurden!

Ich nahm den Kleinen Mann auf den Arm, und er lächelte kurz und schlief dann zufrieden weiter. So als wäre es schon immer so gewesen! Es gibt eigentlich keine richtigen Worte die das, was wir in diesen Minuten dort erlebt haben, richtig in Worte fassen können! Jetzt waren wir eine Familie, und überglücklich verließen wir dann das JA mit unserem KIND und starteten, in ein für uns völlig neues Abenteuer, das sich Familienleben nennt!

Heute 3 Jahre später, bin ich immer noch so unendlich dankbar dafür, das wir überhaupt erleben dürfen, was es heißt eine Familie zu sein! Und kann wirklich sagen, es gibt für uns keinen Unterschied ob leibliches Kind oder nicht! Er wurde in unseren Herzen geboren, er hat uns zu einer Familie gemacht und wir sind so stolz auf unser Herzkind, und könnten uns ein Leben ohne Ihn gar nicht mehr vorstellen!

 

Eure Catrin


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