Von der Stille in den Urlaubsmodus

Eine Woche ist die kleine Raupe nun schon in ihrer Familie…

Es ist nicht leicht, aber sie schafft es. Sie schläft schon wieder gut, lässt sich füttern und gewinnt täglich mehr Vertrauen -Vertrauen was sie so dringend braucht nach ihrem 2. Bindungsabbruch. Denn, egal wie sensibel wir sie darauf vorbereitet haben, es bleibt ein Abbruch. Ein Abbruch, gegen den sie sich mit allen verfügbaren Mitteln, so sehr gewehrt hat.

Das Wichtigste ist, es geht ihr gut und sie hat die ersten Tage, alles in allem gut gemeistert
-was absolut wunderbar ist.

Und wir? -wir haben am Wochenende „einfach“ Familienzeit genossen, sind ein bisschen enger zusammengerückt und haben die Tage einfach geschehen lassen…haben im großen Bett alle zusammen gekuschelt, haben die Sonne im Garten genossen, sind im Pool geschwommen, haben gegrillt, gesungen, gelacht und auch geweint. Es war ein schönes Wochenende. So intensiv mit allem was dazu gehört, wenn man gerade ein Baby nach über acht Monaten in eine andere Familie übergeben hat.

Und dann kam der Montag. -völlig unvorbereitet hat er mich eiskalt erwischt. Diese Stille als alle aus dem Haus waren. Unerträglich…

Da sind sie wieder diese Beklemmungen, die mich vor vielen Jahren schon einmal in die Knie gezwungen haben. Diese, meine persönlichen Dämonen, denen ich an schlechten Tagen lediglich die Zeit gebe, die es braucht, eine Tasse Kaffee zu trinken. Doch auch nach ihrer obligatorischen Tasse Kaffee wollten sie nicht verschwinden und für größere Kämpfe war ich einfach zu müde

Ich kann mich sehr glücklich schätzen, die besten Freunde der Welt zu haben, denn nur einen Anruf später, saß ich im Auto und ließ mich mit einem gemeinsamen Frühstück, ablenken!

Wie gut, dass meine Mogli kein Mittsgskind ist und hier ab 12 Uhr wieder Leben in der Bude ist. Mogli, mein kleiner Wirbelsturm und doch gleichzeitig mein Anker.

Auf den Dienstag würde ich vorbereitet sein, so leicht würde ich es meinen Schatten nicht machen und Kaffee trinken könnten Sie sich abschminken.
Shopping ist toll…und die Kinder brauchen eh noch Klamotten für den Urlaub und wenn dann noch zu viel Zeit bis zwölf Uhr ist, habe ich eine wundervolle Cousine, die auch Pflegemami ist und ebenfalls wortlos versteht, -inklusive Kaffee.

-für mich! Nicht für meine Geister!!!

Der Mittwoch würde mich retten, dass wusste ich. Supervision mit der für mich, besten Gesprächspartnerin, die ich mir wünschen könnte.

Die in mich hineinsieht, die versteht, die über unsere Grenzen hinaus für meine Seele sorgt und mir mehr als nur ein Stückchen „Heilung“ bringt.

Sie sieht in mir nicht nur die Bereitschaftspflegemutter, die gerade monatelang für dieses kleine schutzlose Menschenkind gekämpft hat bis zum Umfallen. Sie sieht so viel mehr und zeigt mir die Wege, hilft mir meinen Weg zu finden und hilft mir zu verstehen.

Ich glaube, wenn ich 30 Jahre zurückdenke ist es das, was ich am meisten vermisst habe. Verständnis….ich habe mich immer schon irgendwie anders gefühlt. Dabei kann ich gar nicht genau sagen, wie anders oder was anders…eben einfach anders…was es nicht gerade einfacher gemacht hätte….

Ich war schon immer ein Herz gesteuerter Mensch mit einem riesigen Gerechtigkeitssinn. Nie im Leben habe ich jemals über etwas nachgedacht, nie haben mich Konsequenzen davon abgehalten, das zu tun, was ich für richtig halte und ich habe bedingungslos für meine Herzensmenschen eingestanden. Immer!!!

Viele Jahre habe ich Kämpfe gegen mich selbst ausgefochten, nach mir gesucht und kann erst heute sagen;

Ich bin angekommen. Ich Ruhe in mir selbst. Betrachte meine Kinder, mein Leben, sehe was auf mich wartet und bin von einer tiefen Dankbarkeit erfüllt. Dankbarkeit weil ich neben harter Arbeit an mir selbst auch einfach riesiges Glück gehabt habe, einen Weg gefunden zu haben, mit mir zu leben…

Meine Supervisorin hat mir eine Geschichte mitgebracht, die noch viele Stunden nachgewirkt hat und mir endlich meine innere Ruhe zurückgebracht hat;

Stille

Zu einer Einsiedlerin kamen eines Tages Wanderer. Die fragten sie: „Welchen Sinn siehst du in einem Leben der Stille?“ Sie war gerade dabei Wasser aus einer tiefen Zisterne zu schöpfen. „Schaut in die Zisterne, was seht ihr?“, fragte sie. Die Besucher: „wir sehen nichts.“ Nach einer Weile forderte die Einsiedlerin sie wieder auf: „Schaut in die Zisterne, was seht ihr?“ Sie blickten hinunter und sagten: „Wir sehen uns jetzt selbst“ Die Einsiedlerin sprach: „als ich vorhin Wasser schöpfte, war das Wasser unruhig, und ihr konntet nichts sehen. Jetzt ist das Wasser ruhig und ihr erkennt euch selbst. Das ist die Erfahrung der Stille.“

Zu lernen, sich selber auszuhalten gehörte zu meiner wichtigsten Erfahrung im Leben und manchmal muss ich wohl daran erinnert werden.

Und nun -#urlaubsmodusan Es erwarten uns sechs Wochen Mini-Paradies auf uns und ich kann es kaum abwarten, die heilende Wirkung des Meeres zu spüren.


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