Meine Vorbereitung

Bereitschaftspflegefamilie

Aus (m)einer Idee wird Wirklichkeit

Im Frühjahr 2012, nachdem der Entschluss gefallen war, endlich in Sachen Bereitschaftspflege aktiv zu werden, hätte ich am liebsten gleich angefangen und war ziemlich ungeduldig und unzufrieden, dass wir unseren ersten Termin mit dem zuständigen Jugendamt erst etwa zwei Wochen nach dem Anruf wahrnehmen konnten. Immer und immer wieder versuchte ich mir vorzustellen, wie so ein Termin verlaufen würde, welche Voraussetzungen wohl gefordert und ob wir überhaupt geeignet wären…

Als der besagte Tag endlich kam, an dem mein Mann und ich gemeinsam zum Jugendamt fuhren, hatte ich schweißnasse Hände und war total aufgeregt; ich hatte nach der ersten „Offensive“ ein wenig Sorge; ob wir überhaupt geeignet wären und ins Profil einer Bereitschaftspflegefamilie passen könnten.

In unserem ersten Termin bekamen wir ziemlich viele Infos; welche Unterlagen wir benötigen, welche Voraussetzungen wir erfüllen, an welchen Seminaren wir teilnehmen müssen und welche Dokumente wir beantragen werden. Außerdem bekamen wir einen Leitfaden für eine Lebensgeschichte, die mein Mann und ich unabhängig voneinander verfassen mussten, sollten wir den nächsten Schritt gehen wollen.

Uns wurde sehr schnell klar, entscheiden wir uns für die Bereitschaftspflege müssen wir uns seelisch, psychisch und finanziell einmal vollständig durchleuchten lassen. Aber davor hatten wir keine Angst!

Bereits vier Wochen nach unserem ersten Gespräch beim Jugendamt hatten wir schon den geforderten „ 1. Hilfekurs am Kind“ absolviert, die gewünschten Lebensberichte geschrieben und wurden während unseres zweiten Gesprächstermins zu verschiedenen Situationen, aus denen die Bereitschaftspflegkinder kommen befragt. Eine Frage, die sich wohl tief in mein Herz gebrannt hat:

„Was wäre für Sie schlimmer bei einer Belegung, ein Säugling der permanent schreit oder ein Baby was einfach ganz ruhig und still ist?“

Ich musste kurz nachdenken. Natürlich war mein erster Impuls, das Baby welches immer schreit, zu antworten. Die nervliche Belastung eines ständig weinenden Säuglings ist sehr hoch, daran erinnere ich mich noch zu deutlich an meine leibliche Tochter, die als klassisches Schreibaby in Perfektion zur Welt kam. Nach kurzem Überlegen allerdings, wenn ein Säugling nicht (mehr) weint und einfach teilnahmslos, vielleicht schon apathisch einfach nur da liegt, wäre für mich viel, viel schlimmer. Nicht selten haben diese kleinen Würmer bereits aufgegeben, bereits verinnerlicht, spar dir die Energie des Schreiens, du wirst nicht mehr erhört.

Diese Babys haben ihr Urvertrauen verloren und ihr kleines aber hochsensibles Hirn hat in seiner noch so jungen Entwicklung bereits auf traumatische Weise, den Überlebensmodus, so lange wie möglich zu erhalten, eingeschaltet.

Dieser Termin lief mir noch ziemlich lange nach hat aber keinesfalls unsere Entscheidung, diesen Weg zu gehen in Frage gestellt. Ehr im Gegenteil, ich fühlte mehr denn je

-Bereitschaftspflege ist die Aufgabe, für die mein Herz schlägt.

Bei unserem dritten Termin war der Leiter der Abteilung Soziale Dienste mit anwesend, der uns gerne persönlich kennenlernen wollte. Ein lockerer Termin, bei dem wir über alles möglich sprachen, wir uns einfach völlig gelöst bei einer Tasse Kaffee mit Keksen unterhielten, sich später sogar die beiden bereits vorhanden Bereitschaftspflegestellen zu unserer Runde gesellten, um uns ganz praxisnah unsere Fragen zu beantworten. Zwischendurch kamen immer mal wieder Sozialarbeiter dazu, um sich uns vorzustellen und wir fühlten uns bereits zugehörig und freuten uns, dass alle einen so engagierten und freundlichen Eindruck machten. Nichtsdestotrotz gab es wieder Handouts zum Durcharbeiten als Hausaufgabe, die wir hochmotiviert abarbeiteten und immer schnellstmöglich schon zwischen den Terminen einreichten. Niemand sollte an unserer Ernsthaftigkeit Zweifel haben.

Und so stand als vierter Termin, im Juni der erste Hausbesuch bei uns an. Unsere Betreuerin vom Pflegekinderdienst wollte natürlich unsere wohnliche Situation, unsere Kinder und auch unseren Familienhund kennenlernen.

An diesem Tag war es so sonnig und heiß, dass wir bei strahlend blauem Himmel, im Garten den Kindern beim Planschen zugesehen haben und mein Mann und ich uns irgendwann im Verlauf einfach nach drinnen verkrümelt haben um den Kindern die Möglichkeit zu geben ganz ungestört mit unserer Betreuerin zu sprechen. Wir hatten sie nicht sonderlich auf „ihr“ Gespräch vorbereitet. Wir wollten, dass sie völlig frei und ungefiltert ihre Meinung äußern konnten. Was sie wohl auch taten, denn unsere Betreuerin war hellauf begeistert, dass die beiden so offene Kinder waren, die bereits genau über Bereitschaftspflege Bescheid wussten. An der Stelle muss ich erwähnen, dass meine Stiefmutter seit mehr als 30 Jahren als Bereitschaftspflegestelle für einen anderen Kreis tätig ist und meine Kinder dort hautnah miterleben wie schnell Kinder kommen und gehen…

Es folgte noch ein letzter Termin etwa Anfang Juli, an dem wir die Vereinbarung unterschrieben, jetzt dem Jugendamt als Bereitschaftspflegefamilie zur Verfügung zu stehen. Wir bekamen noch alle möglichen Zettel, mit vielen Antworten auf die üblichen Fragen der Rechtsgrundlagen, Telefonnummern des Bereitschaftsdienstes und eines kooperierendes Kinderheims für Notfälle. Wir unterschrieben, dass unsere Telefonnummern an die ortsansässige Feuerwehr, die Polizeidienststelle und ebenfalls an das Kinderheim, mit dem unsere Stadt sehr eng zusammenarbeitet, weitergegeben werden darf. Weiterhin erklärten wir uns bereit, dass sobald wieder ein „professionelles“ Vorbereitungsseminar stattfinden würde, wir daran teilnehmen würden…(in unserem Kreis gibt es diese Seminare nicht so häufig, da sich viel zu selten genug Familien vorstellen können, Bereitschaftspflegestellen zu werden)

Wir würden also ab dem 1.8. 2012 ganz offiziell auf der Liste, der zu belegenden Pflegestellen für Säuglinge und Babys bis etwa 9 Monate stehen. Etwa fünf Monate hat unsere vorläufige Vorbereitung gedauert, viele intensive, sehr fordernde Gespräche haben stattgefunden und wir fühlten uns sehr gut gerüstet;

Keiner hat an diesem Tag geahnt, wie schnell wir gebraucht wurden und welch tragische Geschichte auf uns zukommen würde…


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