Die Anbahnung ?

Kleine Raupe, gestern vor zwei Wochen haben wir sie kennengelernt. Deine zukünftigen Pflegeeltern und diese erste Begegnung war magisch. Du signalisiertest, das ist sie, deine Familie.

Seit diesem 01.06. der übrigens auch der Weltkindertag war, treffen wir uns täglich und verbringen einige Stunden pro Tag gemeinsam.

Dein hochsensibles Wesen, lässt uns sehr behutsam mit dir umgehen, wir versuchen dir nicht zu schnell zu viel zuzumuten und passen gut auf dich auf, denn die täglichen Besuche sind ein auf und ein ab und du machst es uns nicht gerade leicht. Du kannst dich nur sehr schwer einlassen; Füttern, Wickeln, Spazierengehen, all das lässt du noch nicht zu und es macht es uns so schwer.

Ich weiß, du hast nur Angst vor der Veränderung, kannst nicht einordnen was da passiert und reagierst instinktiv mit „schützen was zu schützen“ geht.

Tagsüber kann ich kaum noch den Raum verlassen, dich kaum ablegen, so groß sind deine Verlustängste. Deine Pflegeeltern sind so sehr verunsichert weil kaum Interaktion mit dir möglich ist. Umhertragen im Schaukelmodus geht. -für fünf Minuten. Mehr nicht.

Als du letztes Jahr, Anfang November bei uns eingezogen bist, merkte ich sehr schnell, wie sehr du forderst, dass du mehr brauchst. Du warst von Anfang an besonders. Eigentlich mit wenig Bedürfnissen. Und doch hast du uns alle über die gesamten, inzwischen fast acht Monate ordentlich auf Trab gehalten.

Füttern war immer dein Thema, was teilweise nur sehr schwer auszuhalten war. War ich nicht greifbar, brauchten andere nicht selten zwei Stunden bis du eine Flasche getrunken hast und Brei ging bis heute überhaupt nie von jemand anderem.

Wovor hast du so große Angst?

-das frage ich mich tatsächlich inzwischen täglich. Ich weiß, wir muten dir gerade so viel zu, was für dich noch nicht zu verstehen ist, es aber schon sehr bald zur Realität wird. Deiner Realität
–heute in drei Wochen ist es soweit. Du wirst umziehen und wirst als erstes Kind Teil einer sehr liebevollen Familie werden.

Ich würde es dir so gerne leichter machen, der Gedanke, dass bis zum 7.7. tatsächlich nicht mehr möglich ist, als ein Mindestmaß an Akzeptanz zwischen dir und deinen Pflegeeltern zu schaffen, bricht mir das Herz.

Sie geben sich so viel Mühe, gehen immer den Schritt zurück, wenn es dir zu viel wird. Denn dann kannst du lachen und erzählen, mit ihnen. Und immer wieder zeigst du, dass du sie eigentlich ganz toll findest. -doch kommen sie dir zu nah, wollen sie emotional zu viel von dir, machst du sofort zu.

Warum nur? Ich weiß keinen Rat mehr.

Die Bindungstherapeutin, die eigens für dich engagiert wurde, stärkt uns alle sehr, den ausgearbeiteten Plan genauso fortzuführen. Und doch, die Zeit ist begrenzt. Der 7.7. ist in greifbarer Nähe und es tut weh zu wissen, dass deine kleine Welt sich für einen Moment aufhören wird sich zu drehen.

Kleine Raupe vertraue mir, halte den Moment aus, sie wird sich weiterdrehen. Deine Pflegeeltern bereiten sich gut darauf vor, dich zu tragen.

Doch würdest du mir einen so riesigen Gefallen tun, wenn der Knoten endlich platzen würde.

Bitte lass es einfach zu. Ich werde bei dir sein und dir helfen.

Ich habe so sehr für dich gekämpft, für die Chance DEINE Familie zu finden. Und wir haben sie gefunden. Und ich weiß, dass du das auch weißt du musst keine Angst haben. Vertraue uns einfach

Was du auslöst kleine Raupe, welche Rolle hat dir das Universum nur zugeschrieben? Ich könnte ein ganzes Buch darüber füllen, was du bewegt hast, bei wie vielen Menschen, du so viel ausgelöst hast. Du bist etwas ganz besonderes, auch für mich und das wirst du auch für immer bleiben!

Auch wenn ich dich jetzt los lassen muss, dich gehen lassen muss…hinterlässt du unfassbare tiefe Spuren in mir!

Du hast mich für immer verändert!


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