…bewegt…

Mein ursprünglicher Plan war, nach dem letzten Blogpost, über Mogli’s Einzug bei uns, genau daran anzuknüpfen und chronologisch bis zu ihrer Rückführung weiter zu schreiben.

Doch gerade bewegen sich so viele Dinge, die vor allem mich emotional sehr belasten, dass ich versuchen möchte, diese aktuelle Gefühlslage in Worte zu fassen, bevor sie „zu alt“ werden.

Um einen Leitfaden zu bekommen, muss ich zwar etwas ausholen aber ich hoffe, das stört euch nicht

Bereits im Sommer ’16 beantragten wir, mit Unterstützung des Jugendamtes, einige wichtige Teile des Sorgerechts für Mogli; die Gesundheitsfürsorge und das Antragsrecht. Wenn es vor Gericht gut laufen würde, würden wir ganz spontan noch kurzfristig das Aufenthaltsbestimmungsrecht beantragen, so war der Plan! Jedoch die Gesundheitsfürsorge hatte für uns oberste Priorität weil wir die aufgeschobene Entwicklungsdiagnostik für den Herbst auf den Weg bringen wollten und nicht für jede Unterschrift, die leiblichen Eltern bitten wollten.

Mogli’s leibliche Mutter sehen wir etwa 4 mal jährlich zu relativ ungezwungenen Besuchskontakten und den leiblichen Vater (Stand heute) seit drei Jahren gar nicht. Nun denn, vor Gericht würden wir erstmalig wieder aufeinander treffen und natürlich nutze er diese „öffentliche Bühne“ um seinen Unmut über alles und jeden kundzutun…-aber egal, wir bekamen sowohl die GFS als auch das AR übertragen und dürfen uns nun Mogli’s Ergänzungspfleger nennen -sehr befremdlich, ich weiß…(im Duden steht dieser Begriff auch leider nicht als anderer Begriff für Mama und Papa)

Wir beantragten die ganzheitliche Diagnostik in einem SPZ, welches wir nun als frisch gebackene Ergänzungspfleger ganz alleine aussuchen durften.
Mir war es wichtig, dass Mogli nicht den Eindruck bekommt, dass sie vielleicht irgendwie komisch oder gar krank ist weil plötzlich so viele Personen etwas von ihr wollen würden, was sie vermutlich nicht erfüllen könnte, deshalb achtete ich sehr auf Bewertungen anderer (Pflege)eltern.

Nach vielen Erfahrungsberichten und unzähligen Telefongesprächen entschied ich mich für „unser“ SPZ und bekamen sehr zügig den Terminplan;

3x Logopädie 2x Physio 3x Psychologie und 2x Kinderärztliche Untersuchungen waren angesetzt. Zusätzlich das Abschlussgespräch an dem Mogli natürlich nicht teilnehmen würde.

Nur ein paar Tage vor dem ersten Termin, zog innerhalb 20 minütiger Vorbereitung, die kleine Raupe ? bei uns ein; etwa 3 Wochen jung, Perspektive unklar. Verbleib, wie immer so kurz wie möglich.

Wir strickten alles organisatorisch so um die Kinder, das Mogli, die für sie sehr belastenden Termine, mit mir alleine und ganz in Ruhe wahrnehmen konnte. Verweigerung gibt es in ihrem Leben auch ohne zusätzlichen Stress, so dass alles! Immer! mit Bedacht geplant werden muss. Spontanität hat bei Mogli kaum Platz…

Heute, nach fast 6 Monaten findet nun endlich das langersehnte Abschlussgespräch statt und ich fühle mich hundeelend. Ich möchte mich am liebsten zurück ins Bett verkriechen und gar nicht fahren.

Ich möchte nicht hören, welche Defizite sie hat, nicht wissen wie verzögert sie tatsächlich ist. Sie ist meine Tochter, so wie sie ist. Ich möchte diesen Stempel nicht und die Mühle SPZ und ständige Entwicklungskontrollen schon gar nicht…ist denn Andersartigkeit so schlimm? Ich bin nicht ihre Ergänzungspflegerin, ich bin ihre Mama und habe panische Angst vor dieser vielleicht Endgültigkeit?

Wenn es einmal schwarz auf weiß gedrückt ist, ist es so unwiderruflich und ich habe Angst, sie nicht mehr genügend schützen zu können

In den letzten Monaten ist hier im Hause Herzenskinderliebe ganz schön was los;

3 Tage Kinderklinik mit der kleinen Raupe mit RS-Virus, gefolgt von mehrfach spastischer Bronchitis bei beiden Kindern, eine angebrochene Anbahnung, mit einer Familie, zu der die kleine Raupe überhaupt nicht passt, ein abgebrochener Urlaub wegen erneut, spastischer Bronchitis und ein eingeschläfertes Therapie Pferd, an dem Mogli so sehr hing.

Monate voller Ungewissheit und Sorge hinterlassen ihre Spuren. -ich bin müde, könnte im Stehen schlafen und muss mich oft dazu zwingen das Haus zu verlassen weil mir selbst die Konservation zu viel ist. -immer die gleichen Fragen, die so ermüdend sind…kann die Raupe nicht einfach bei euch bleiben? Wie immer noch keine Diagnose, warum dauert das so lange und last but not least; also wenn ich Du wäre…. dann…

Ich möchte so gerne einfach sagen; ja wenn das so einfach ist, nimm Du sie doch; du findest sie doch auch süß….ach wie jetzt, man kann nicht alles behalten was süß ist…?! Ne das geht natürlich nicht?!? –schade eigentlich

und dann denke ich wieder, spar dir die Energie, du brauchst sie für so viel Wichtigeres…und wieder wird nur brav und ganz gesellschaftskonform gelächelt

AM ENDE WIRD ALLES GUT UND WENN ES NICHT GUT IST, IST ES NOCH NICHT DAS ENDE ?


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