Ballerina oder Ziege?

Meine Idee Bereitschaftspflegemutter zu werden

Als 2005 unsere Tochter, als absolutes Wunschkind zur Welt kam, hatte ich schon nach wenigen Tagen das Gefühl, mit ihr ist die Familie noch nicht vollständig. Ich wollte mich nicht damit abfinden, nie wieder dieses wunderbare Gefühl, schwanger zu sein, erleben zu dürfen. Ich war so gerne schwanger, in keinem anderen Zeitraum im Leben habe ich meinen Körper intensiver wahrgenommen und auch geschützt. Ich fühlte mich zu jedem Zeitpunkt wie eine glückliche Ballerina, die neun Monate durch die Schwangerschaft getanzt ist…hätte wohl ulkig ausgesehen, eine Schwangere im rosa Tütü…

„-Bitte befragt hierzu nicht meinen Mann, er wird euch sicherlich eher von einer störrigen, schwangeren Ziege berichten, die sich geweigert hat, ihm Fleisch zu braten weil sie den Geruch nicht abkonnte…“

Ob nun Ballerina oder Ziege, -Wahrnehmung ist ja bekanntlich immer subjektiv , war für mich völlig klar, ich würde all meine Überzeugungskraft darauf verwenden, meinen Mann davon zu überzeugen, vielleicht in ein bis zwei Jahren über ein weiteres Baby, zumindest nachzudenken. – denn dann hätte ich gewonnen…

Unser Töchterlein war die ersten Monate wahrlich kein Sonnenschein. Frei nach dem Motto; du wolltest mich unbedingt haben, jetzt sieh zu wie du damit zurechtkommst, hat sie uns nicht nur tagsüber wirklich alles abverlangt. –die Nächte waren der absolute Horror. Monatelang stündliches Aufwachen, tragen, füttern, nicht wieder einschlafen. Gefühlt NIE wieder durchzuschlafen, verhalf mir nicht gerade dabei meinen Plan zu verwirklichen.

Ich vermute ja heute noch, dass sie mitbekommen hat, dass ich gerne noch ein Baby bekommen wollte und sich mit ihrem einnehmenden Wesen auf ihre Art, den Thron gesichert hat, bevor sie ihn überhaupt erklommen hat.

Unser Babymädchen wuchs und gedieh war kerngesund und wurde mit jedem Lebensmonat freundlicher (zumindest tagsüber) -an durchschlafen war die ersten vier Jahre nicht zu denken…

Als sie etwa 13 Monate alt war, haben meine Hormone mir fast täglich ins Ohr geflüstert, dass jetzt eigentlich der richtige Zeitpunkt wäre, ein Geschwisterchen in Planung zu geben. Es hat mir in der Tat, körperlich fast weh getan, dass mein Mann eisenhart geblieben und absolut gegen ein weiteres Kind war. Ich habe mich so reduziert gefühlt. Vermehrung abgeschlossen, stumm geschaltet einfach vom Strom genommen…und überhaupt, wieso entscheidet das alles er, ganz alleine?

Ich war von verzweifelt und traurig bis zu gemein und wütend! So ziemlich alles was es an Emotionen gibt, habe ich durchlebt. Unerfüllter Kinderwunsch ist grausam. Und das nicht nur für Paare, die keine haben. Ich habe wirklich sehr darunter gelitten auch wenn ich ihn immer verstehen konnte. Seine Gründe waren berechtigt, gar keine Frage…womit wir wieder beim Thema „Herz über Kopf“ wären.

Zur Erklärung, aus seiner ersten Ehe gibt es zwei Söhne, einen Sohn brachte ich mit und dann unser gemeinsames Babymädchen. Weiterhin trennen uns 12 Jahre und er fühlte sich schlichtweg einfach zu alt um noch einmal ganz von vorne anzufangen…

Diese Zeit war parallel meine erste Konfrontation mit dem Pflegekinderwesen, wenn auch „nur“ passiv.

Im erweiterten Bekanntenkreis wurde ein Baby mit Verletzungen in eine Klinik gebracht und recht schnell stellte sich heraus, dass jemand dem Kind mit Absicht Schaden zu gefügt hatte. Mutter und Vater schoben sich gegenseitig die Schuld in die Schuhe und keiner hat etwas gesehen oder gehört…

so sehr habe ich um dieses Kind geweint…ich hatte ein so starkes Bedürfnis, dieses Baby einfach zu uns zu holen. Ich konnte mir bis zu diesem Tag absolut nicht vorstellen, dass es Eltern gibt, die ihre Kinder nicht wollen, nicht lieben oder gar verletzen bzw. verwahrlosen lassen. Klar, ich habe darüber in der Zeitung gelesen aber so unmittelbar? Hier passiert doch so etwas nicht und schon gar nicht im Bekanntenkreis…

Ich fing an zu recherchieren, was passiert jetzt. Wo kommt dieses Baby hin, kann man ein fremdes Kind so lieben, wie das Eigene, was sind eigentlich Pflegeltern, wie wird man Pflegeeltern, was ist Bereitschaftspflege und kann ich das auch werden?

Fragen über Fragen, die mich im Grunde genommen nie wieder losgelassen haben.

Bereitschaftspflegemutter, dieser Begriff veränderte meine Haltung zu meinem Herzenswunsch, noch ein Kind zu bekommen, radikal…Ich spürte, ich werde an anderer Stelle gebraucht.

Ich hatte mal wieder eine Idee…für mich war sonnenklar; ich bin die perfekte Bereitschaftspflegemutter, es gilt nur mal wieder?…-richtig, meinen aus tiefster Seele, skeptischen Mann davon zu überzeugen. Und dieses Mal würde ich definitiv nicht aufgeben…

Auf diese, allererste Konfrontation mit Bereitschaftspflege, folgte nur wenig später eine Zweite…


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