Aus meiner Sicht ?

Seit 9 Tagen sehen meine Bereitschaftspflegemama und ich jetzt schon meine zukünftigen Pflegeeltern…

Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, was all diese Wörter bedeuten und ich verstehe überhaupt nicht warum auf einmal ständig so viele fremde Leute hier sind…all das macht mir ein wenig Angst auch wenn alle immer sehr freundlich aussehen und versuchen mich zum Lachen zu bringen. Ich spüre, dass eine Veränderung bevorsteht. Meine Bereitschaftspflegemama versucht zwar vor mir zu verstecken, dass sie manchmal traurig ist aber ich bin ja nicht dumm

-ich bin ziemlich clever und meine Bereitschaftspflegemama sagt immer ich sei sehr sensibel und ich spüre die geringsten Gefühlsschwankungen.

Außerdem sagt meine Bereitschaftspflegemama andauernd so seltsame Sachen, gleich kämen meine Mama und mein Papa und so was…

Was bedeutet das alles für mich? Eigentlich habe ich doch hier alles was ich brauche. Ist das hier nicht mein zu Hause?

Ich zeige sehr deutlich, dass mir das alles große Angst macht und ganz tief in meiner Erinnerung weiß ich, ich war nicht immer hier. Ich erinnere mich an andere Gerüche, andere Stimmen und andere Berührungen.

Aber wieso erinnere ich mich ausgerechnet jetzt daran?

Kleine Raupe, sagt meine Bereitschaftsmama immer zu mir du brauchst dir keine Sorgen machen, wir haben wunderbare, sehr liebevolle Eltern für dich gefunden, die es kaum erwarten können, dich nach Hause zu holen.

Ich hoffe, ich habe noch ein bisschen Zeit, denn bisher halte ich maximal zwei Stunden mit meinen neuen Eltern aus und das auch nur hier in unserem Haus. Und wenn sie mich füttern wollen, traue ich mich noch nicht, es von ihnen anzunehmen

Wieso, weiß ich gar nicht so genau. Wie so vieles andere auch nicht.

Ich dachte ehrlich gesagt, dass hier mein zu Hause sei. Mogli meine Schwester und meine Bereitschaftspflegemama für immer bei mir ist.

Ich schlafe im Moment sehr viel, dann muss ich mir nicht so viele Gedanken machen, was gerade um mich herum geschieht.

Meine Bereitschaftspflegemama hat mir versprochen, dass ich das Tempo bestimme und wir alle ganz behutsam miteinander umgehen, so dass ich mich ganz langsam daran gewöhne, dass ich bald eine neue Mama haben werde. Und bald umziehe…

Meine Bereitschaftspflegemama hat mir versprochen, dass ich mein Bett und auch meinen heiß geliebten Kinderwagen mitnehmen darf und sie meinen neuen Eltern ganz genau erklären wird, was ich gerne mag und was mir Angst macht.

Das ist gut, sie weiß nämlich nach fast 8 Monaten sehr genau, was ich brauche und was mir gut tut.

Gestern beim Baden hat sie mir sogar erklärt, warum ich nicht hier bleiben kann…

Ich habe sie ganz still mit großen Augen angeschaut, ihr meine Hand an die Wange gelegt und „EI“ gesagt, während meiner Bereitschaftspflegemama eine kleine Träne aus dem linken Auge lief.

Ich kann schon seit ein paar Tagen „EI“ machen, hat sie euch nur noch nicht verraten, oder?

Ich vertraue meiner Bereitschaftspflegemama sehr und würde im Moment am liebsten den ganzen Tag nur bei ihr auf dem Arm sein. Ich hoffe so, sie hat Recht wenn sie immer sagt, dass alles gut wird.

Was bedeutet es wird alles gut? -ist es das denn jetzt nicht?

Die Frau und auch der Mann, die meine Eltern werden finde ich eigentlich richtig nett, sie sagen immer so liebe Sachen zu mir und geben sich so dolle Mühe alles richtig zu machen.

Ich wurde ihnen gerne sagen, dass es nicht an ihnen liegt, dass ich noch so schnell überfordert bin. Ich brauche wohl einfach noch etwas Zeit um ihnen zu vertrauen.

Aber heute beim Spazierengehen habe ich heimlich gelauscht und gehört, dass meine Bereitschaftspflegemama zu ihnen gesagt hat, dass sie das alles wahnsinnig toll machen und wir noch Zeit haben. Dass wir lieber eine Woche dran hängen als dass ich noch zu unsicher, schon umziehen muss.

Puuuuh, das hat mich schon beruhigt!

Ich glaube nämlich, manchmal haben meine neuen Eltern auch noch Angst, dass etwas nicht richtig ist und wenn ich merke, dass sie unsicher sind, wie soll ich dann locker bleiben?

Gott sei Dank ist meine Bereitschaftspflegemama noch bei allen Terminen dabei, Gott sei Dank darf ich, immer wenn es mir zu viel wird, nochmal zu ihr auf den Arm. Das gibt mir Sicherheit, die ich noch so sehr brauche. Ich musste mich ja auch schließlich von einem schweren Lungenvirus erholen und bekam kurz drauf noch das Dreitage-Fieber

Mir bleibt nichts anderes übrig als darauf zu vertrauen, dass alle gut auf mich aufpassen, mir nicht zu viel zu schnell zumuten und mir glauben, dass ich nicht mit Absicht so unruhig bin.

Ich habe doch einfach nur Angst vor dem was kommt…

Ich gebe mir ganz viel Mühe und jeden Tag klappt es etwas besser, was sind schon 9 Tage? -wir haben noch 4-5 Wochen Zeit, sagt meine Bereitschaftspflegemama und wir alle sind zuversichtlich, dass ich mich bis dahin an all das Neue gewöhnt habe

Schließlich wünscht sich doch jedes Baby eine Mama und einen Papa, oder?

Meine Bereitschaftspflegemama sagt mir immer, sie werden so viel Zeit für mich haben, weil ich vorerst ein Einzelkind sein werde! -was das schon wieder bedeutet, weiß ich zwar auch schon wieder nicht, aber viel Zeit klingt toll

Familienzeit und davon ganz viel


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Urlaub mit Mogli

Warum uns die schönste Zeit des Jahres oft alles abverlangt Endlich Ferien! Endlich Urlaub! Wie wohl die meisten anderen Familien auch, sehnen wir vor allem die Sommerferien herbei und malen uns schon Wochen vorher aus, wie wir an lauen Sommerabenden mit der ganzen Familie Karten spielen, gutes Essen genießen und durch pure Entspannung und in […]

Mehr sehen
Insektenhotel

  Materialliste Insektenhotel Für den Rahmen: Fichtenholzbretter 20cm breit, 24mm stark Seiten: 2 Bretter je 1,80m Oben u. Unten: 2 Bretter je 1,30m Dach:3 Bretter je 1,40m Zwischenboden:1 Brett 1,30m zur Einteilung:1 Brett 2,50m (könnt ihr dann nach Belieben zum einteilen des Hotels sägen 4 Einschlaghülsen 7×7 cm 4 Kanthölzer 7×7 cm je 1,80m lang Dachpappe Nägel für Dachpappe Volierendraht um die Larven vor […]

Mehr sehen
Wenn sich Kinder von ihren Eltern „scheiden lassen“

geschrieben von Edith Zunächst möchte ich mich auf das herzlichste, bei Dir, liebe Vanessa bedanken, das Du mir hier auf Deinem Blog, eine Stimme und Raum gibst.  Schön, daß wir zusammen gefunden haben, frei dem Motto : Es gibt keine Zufälle, es fällt einem zu was fällig ist. Wenn sich Kinder von ihren Eltern“scheiden“ lassen  […]

Mehr sehen
Weihnachtsgeschenke

wenn Kinder zwei Familien haben An anderer Stelle, in einer größeren Runde von Pflegeeltern wird seit einigen Tagen sehr heftig darüber diskutiert, ob es nun richtig oder falsch ist, den leiblichen Eltern unserer Kinder etwas zu Weihnachten zu schenken oder nicht.  Ein offensichtlich, sehr emotionales und zweischneidiges Thema, welches ich heute aufgreifen und meine Haltung […]

Mehr sehen
Mein Interview mit der Zeitschrift Eltern, Leben&Erziehen

lesup0119_014_016_bereitpflege

Mehr sehen
Wenn Kinder keine Worte haben

Traumatische Erfahrungen in einem Alter, in dem das Kind selbst noch keine Worte dafür hat. Ein Satz, den ich erst einmal so stehen lassen möchte. Er wird sich mit diesem Beitrag von selbst erklären. Viele Menschen glauben, je jünger ein Kind ist, desto weniger bekommt es mit, desto weniger wird es belastet. Auch wir werden […]

Mehr sehen
Unser Weg zum Familienglück

Hallo, erstmal was zu meiner Person. Ich heiße Catrin, bin 36, verheiratet, Krankenschwester und Mama eines 3 jährigen Adoptivsohnes. Gemeinsam mit meinem Mann, Kind und Hund, wohne ich in unserem Haus, in einem kleinen Ort in Hessen. Im Jahre 2007 erkrankte ich an Gebärmutterhalskrebs, und aufgrund der daraus folgenden Total OP, war es uns nicht […]

Mehr sehen
Mein Leben mit Pflegegeschwistern

Glück im Unglück   Hallo, mein Name ist Jessica, ich bin 37 Jahre alt, verheiratet, Mutter von drei Jungen (14,12 & 2 Jahre) und von Beruf Erzieherin. Ich bin die Älteste von sechs Kindern, habe einen leiblichen Bruder, der 14 Monate jünger ist und vier Pflegekindergeschwister.   Ein komisches Wort, was ich gar nicht so […]

Mehr sehen
Mein Gastbeitrag für @daddy.channel

An dieser Stelle möchte ich dem lieben Paul von @daddy.channel von Herzen, für die wundervolle Umsetzung meines Gastbeitrags, danken! Danke

Mehr sehen
Gastbeitrag von Mama und Hebamme, Wibke

Mama und Hebamme Wibke erzählz uns über ihre erste Erfahrung mit einem Baby, welches nach der Geburt zur Adopton freigegeben wurde.

Mehr sehen